Der "Caligari" steht im Schatten der BerlinaleKölner Künstlerin schuf die Statuette für wichtigen Jungfilmer-Preis
Im Rahmen der Berlinale wurde zum 25. Mal der Caligari-Filmpreis verliehen. Die Preisstatuette der Bildhauerin Gesina Liebe ging in diesem Jahr an Pietro Marcello.
Er gehört seit einem Vierteljahrhundert zur Berlinale, aber er steht immer im Schatten der Stars und Filmgrößen – und auch der Berichterstattung. Dabei ist der „Caligari“ der wichtigste Preis des internationalen jungen Films. In diesem Jahr erhielt ihn der Neapolitaner Pietro Marcello für „La bocca del lupo“, seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm. Zum sechsten Mal in Folge stand auch die Kölner Künstlerin auf der Bühne, die die Preisstatuette für diesen Wettbewerb schuf. Stilistisch und thematisch innovativer ForumsbeitragDer Bundesverband kommunale Filmarbeit vergibt den Caligari in Zusammenarbeit mit dem Filmmagazin „Film-Dienst“ für einen stilistisch und thematisch innovativen Film aus dem Programm des Forums. Die Auszeichnung ist mit 4.000 Euro dotiert und soll dem Preisträger ermöglichen, in Deutschland mit seinem Film auf Tournee durch ausgewählte kommunale Kinos zu gehen. Steinbildhauerei klassischen UrsprungsDer Namensgeber des Preises ist eine Kunstfigur des expressionistischen Stummfilms. Robert Wiene setzte mit „Das Cabinett des Dr. Caligari“ 1920 den Meilenstein zu einem Stil, der bis heute in der Filmwelt einen hohen Stellenwert hat und Filmemacher noch immer inspiriert. Der düsteren Gestalt des Caligari wird die unstete und dunkle Textur des Schiefers vollends gerecht. Schiefer ist Gesina Liebes Lieblingsgestein. Seine schwarze Textur, seine zigfache Schieferung habe etwas Ewiges. Es ist ein widerspenstiges Material, aber die Bildhauerin sagt: „Ich habe gelernt, es zu beherrschen.“ Gesina Liebe ist eine der wenigen Steinbildhauerinnen, die in der heutigen Zeit ohne Kompressor arbeitet. Die reine Handarbeit mit den klassischen Steinwerkzeugen begreift die zierliche Künstlerin als Hingabe – an das Material, das sie bearbeitet, und an das Werk, das unter ihren Händen entsteht. Der Schiefer fordert sie als Künstlerin immer wieder neu heraus. So unterscheidet sich die Preisstatuette dieses Jahres nicht nur durch die goldgeprägte Jahreszahl von den in den Vorjahren geschaffenen. Letztlich entscheidet der Schiefer selbst über Plastizität und Figürlichkeit. Die Figur des Nervenarztes Caligari scheint aus der Steinplatte herauszutreten und in kreisrundem Scheinwerferlicht zu stehen. Diesen Eindruck schafft die Bildhauerin allein durch das Wechselspiel von geschliffenen und naturbelassenen Partien. Wer den „Caligari“ von Gesina Liebe sieht, mag nicht glauben, dass es sich dabei im Grunde „nur“ um eine einzige Schieferplatte handelt – eine Steinscheibe, der die Künstlerin in 53 Arbeitsstunden mit Hammer und Meißel Leben eingehaucht hat. Filmkunst mit dokumentarischen ElementenDiese Arbeitsweise findet in Marcellos „La Bocca del Lupo“ ihre Parallele. Der Absolvent der napolitanischen Kunstakademie hat die Handlung – eine einfühlsame Liebesgeschichte - in Ligurien verankert. Sie gewinnt ihre Konturen aus ihrer Einbettung in die dokumentarischen Ortsaufnahmen in und um Genua.
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